China ist zurück – und warum Anleger jetzt nicht wieder den gleichen Fehler machen sollten

China ist zurück – Weltkarte mit hervorgehobenem China als Symbol für globale Geldanlage und Diversifikation

Inhaltsverzeichnis

China war an der Börse lange Zeit ungefähr so beliebt wie ein Regenschirm im Hochsommer.

Immobilienkrise, schwacher Konsum, politische Eingriffe in Unternehmen, Spannungen mit den USA und Sorgen um die chinesische Wirtschaft sorgten dafür, dass viele internationale Anleger einen großen Bogen um chinesische Aktien machten.

Wer China nicht im Depot hatte, musste sich dafür einige Jahre jedenfalls nicht rechtfertigen.

Doch inzwischen hat sich das Bild verändert.

Erst wollte niemand China – jetzt kommen die Anleger zurück

 

2025 war für chinesische Aktien ein ausgesprochen starkes Jahr. Der Shanghai Composite legte um 18,4 Prozent zu, der Shenzhen Component sogar um 29,9 Prozent. Der technologielastige ChiNext Index brachte es auf beeindruckende 49,6 Prozent.

Und auch wenn 2026 bislang wesentlich durchwachsener verläuft, ist die Geschichte damit nicht vorbei. Anfang September steht der Shanghai Composite bei rund 3.940 Punkten und damit auf Sicht von drei Jahren rund 24 Prozent höher. Allein im vergangenen Monat ging es nochmals knapp drei Prozent nach oben.

Interessanter als ein einzelner Indexstand ist allerdings etwas anderes:

Ausländische Anleger interessieren sich wieder für China.

Im zweiten Quartal 2026 stieg die Zahl der von ausländischen institutionellen Investoren gehaltenen chinesischen Festlandaktien im Rahmen des QFII-Programms von 7,5 auf 10,1 Milliarden Stück. Der Marktwert dieser Positionen erhöhte sich – auch aufgrund gestiegener Kurse – auf rund 273 Milliarden Yuan beziehungsweise gut 40 Milliarden US-Dollar. Besonders gefragt waren Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz und grüne Technologien.

Das ist bemerkenswert.

Denn noch vor nicht allzu langer Zeit wurde China von manchen Investoren praktisch für „uninvestierbar“ erklärt. Inzwischen suchen internationale Anleger wieder bewusst nach Möglichkeiten, ihre stark US- und dollarabhängigen Portfolios breiter aufzustellen.

 

Die alte Börsenregel zeigt sich damit einmal mehr: Die interessantesten Märkte fühlen sich häufig nicht interessant an, bevor die Kurse steigen.

 

China hat seine Probleme nicht plötzlich gelöst

Bevor jetzt jemand sein Depot auf links dreht: China ist keineswegs über Nacht zur wirtschaftlichen Musterschülerin geworden.

Die Binnenkonjunktur bleibt anfällig. Der Immobiliensektor wirkt nach, der Konsum ist vergleichsweise schwach und im zweiten Quartal 2026 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum auf 4,3 Prozent.

Auch Chinas Verschuldung ist erheblich.

Wer nur auf die offiziellen Staatsschulden schaut, bekommt ein unvollständiges Bild. Bezieht man Provinzen und staatliche Finanzierungsvehikel mit ein, wird aus dem vermeintlich soliden Staatshaushalt eine deutlich kompliziertere Geschichte.

Trotzdem gibt es einen erheblichen Unterschied zu den USA.

Während zehnjährige US-Staatsanleihen Anfang September mit knapp 4,8 Prozent rentierten, lag die Rendite zehnjähriger chinesischer Staatsanleihen unter 1,7 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass China finanziell gesünder wäre.

Die niedrigen Zinsen sind unter anderem eine Folge der enormen heimischen Ersparnisse, der Kapitalverkehrskontrollen und der Tatsache, dass große Teile der chinesischen Schulden innerhalb des eigenen Finanzsystems gehalten werden. Gleichzeitig spiegeln sie aber auch die schwache Binnennachfrage und deflationäre Risiken wider.

China hat also nicht weniger Probleme. China hat andere Probleme.

Und genau das kann für ein weltweit diversifiziertes Depot interessant sein.

Der zweite große Unterschied heißt Technologie

Über Jahrzehnte galt China vor allem als Werkbank der Welt.

Diese Beschreibung wird der chinesischen Wirtschaft zunehmend weniger gerecht.

Im neuen Fünfjahresplan 2026 bis 2030 nimmt die technologische Eigenständigkeit eine zentrale Rolle ein. China will unter anderem bei Halbleitern, industrieller Software, künstlicher Intelligenz, Robotik und Quantentechnologie eigene Fähigkeiten massiv ausbauen.

Und das ist längst nicht mehr nur ein politischer Wunschzettel.

Anfang September kündigte Peking beispielsweise ein weiteres Fünfjahresprogramm zur Förderung innovativer kleiner und mittelständischer Unternehmen an. Bis 2030 soll die Zahl besonders geförderter sogenannter „Little Giants“ auf 22.000 steigen. Im Fokus stehen unter anderem Robotik, neue Energien, Quantentechnologie und sogenannte Embodied AI – also künstliche Intelligenz, die beispielsweise in Robotern physisch mit ihrer Umgebung interagiert.

Auch bei KI-Chips wächst eine eigene chinesische Industrie heran. Unternehmen versuchen, die technologische Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern zu reduzieren. Noch ist der Abstand teilweise groß. Aber die Richtung ist eindeutig.

Der Handelskonflikt mit den USA hat dabei einen interessanten Nebeneffekt:

Je schwieriger der Zugang Chinas zu westlicher Spitzentechnologie wird, desto größer wird der wirtschaftliche und politische Anreiz, diese Technologie selbst zu entwickeln.

Ob das überall gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Aber China versucht es mit erheblichem Kapitaleinsatz.

Was hat das alles mit deinem Depot zu tun?

Jetzt kommen wir zum eigentlich wichtigen Punkt.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

 

„Soll ich jetzt chinesische Aktien kaufen?“

Sie lautet:

„Warum sollte ich überhaupt darauf wetten, welches Land in den kommenden zehn oder zwanzig Jahren an der Börse vorne liegen wird?“

Denn genau hier liegt ein Problem vieler vermeintlich weltweit aufgestellter Depots.

Der bekannte MSCI World investiert ausschließlich in entwickelte Märkte. China gehört als Schwellenland nicht dazu. Gleichzeitig beträgt der Anteil der USA inzwischen rund 75 Prozent des MSCI World.

Wer ausschließlich einen MSCI-World-ETF besitzt, investiert deshalb zwar international – aber eben nicht in die ganze Welt.

China fehlt. Indien fehlt. Taiwan fehlt. Südkorea fehlt.

Und damit fehlen einige der wichtigsten Volkswirtschaften und Technologiestandorte Asiens.

Allein China steht heute für fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Schwellenländer und für mehr als die Hälfte der Unternehmensumsätze dieser Länder. Im MSCI Emerging Markets beträgt sein Börsengewicht dagegen nur ungefähr ein Viertel.

Das zeigt ziemlich anschaulich:

Börsengewicht und wirtschaftliche Bedeutung sind nicht dasselbe.

 

Der klassische Anlegerfehler

Das wirklich Spannende an China ist deshalb für mich gar nicht die Frage, ob der Shanghai Composite morgen weitere zehn Prozent steigt.

Es ist das Verhalten der Anleger.

Als chinesische Aktien jahrelang fielen, wollten viele Anleger nichts davon wissen.

Jetzt steigen die Kurse, ausländisches Kapital kehrt zurück und chinesische Technologieunternehmen sorgen für Schlagzeilen.

Und plötzlich erscheint China wieder interessant.

Genau hier beginnt häufig das berühmte Hinterherlaufen.

Wir kennen dieses Muster aus praktisch allen Anlageklassen:

Was jahrelang hervorragend gelaufen ist, fühlt sich sicher an. Was jahrelang schlecht gelaufen ist, fühlt sich gefährlich an.

An der Börse kann genau diese Wahrnehmung teuer werden.

Denn niemand klingelt an der Tür und sagt:

„Guten Morgen, der Tiefpunkt war gestern. Sie können jetzt wieder investieren.“

Die Erholung beginnt normalerweise dann, wenn die Nachrichtenlage noch alles andere als perfekt aussieht.

 

Also jetzt alles auf China?

Natürlich nicht.

China bleibt ein politisch und wirtschaftlich anspruchsvoller Markt.

Der staatliche Einfluss auf Unternehmen ist erheblich. Der Konflikt mit den USA kann jederzeit eskalieren. Taiwan bleibt ein geopolitisches Risiko. Hinzu kommen Fragen zu Transparenz, Eigentumsrechten, Regulierung und dem chinesischen Immobilienmarkt.

Wer China isoliert übergewichtet, geht deshalb bewusst zusätzliche Risiken ein.

Aber China komplett auszuschließen, ist ebenfalls eine aktive Entscheidung.

Und genau deshalb bevorzuge ich einen anderen Ansatz:

 

Nicht vorhersagen. Verteilen.

 

Wir müssen nicht wissen, ob in den nächsten zehn Jahren die USA, Europa, China, Indien oder ein ganz anderer Markt die beste Rendite erzielt.

Wir müssen unser Vermögen so strukturieren, dass wir nicht darauf angewiesen sind, diese Frage richtig zu beantworten.

Das ist für mich der Kern einer vernünftigen weltweiten Anlagestrategie.

Nicht der Versuch, heute den Gewinner von morgen zu erraten. Sondern die Beteiligung an möglichst vielen Unternehmen und Regionen, die diesen Gewinner hervorbringen könnten.

 

Mein Fazit: China ist zurück – aber darum geht es eigentlich gar nicht

 

China ist zurück an der Börse.

Aber nicht deshalb gehört das Land in eine Diskussion über ein weltweit aufgestelltes Depot.

China gehört hinein, weil es eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist, weil dort ein erheblicher Teil der globalen industriellen Wertschöpfung stattfindet und weil das Land Milliarden in Zukunftstechnologien investiert.

Ob daraus in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Aktienrenditen entstehen?

Das weiß heute niemand.

Und genau das ist der Punkt.

 

Gute Geldanlage beginnt nicht damit, die Zukunft vorherzusagen. Sie beginnt damit, ein Depot zu bauen, das nicht davon abhängig ist, dass wir sie richtig vorhersagen.

Deshalb setzen wir beim Finanz Forum auf eine breite weltweite Streuung – und schauen nicht erst dann auf eine Region, wenn dort die Kurse bereits davongelaufen sind.

Denn an der Börse gilt eine alte Erkenntnis noch immer:

Die nächste Erfolgsgeschichte erkennt man meistens erst dann eindeutig, wenn ein guter Teil der Rendite bereits Vergangenheit ist.


Wie weltweit ist dein Depot wirklich?

Genau aus diesem Gedanken heraus haben wir unsere ETF-Welt-Strategie entwickelt.

Das Ziel ist nicht, heute vorherzusagen, ob morgen die USA, Europa, China oder ein anderer Markt vorne liegt. Stattdessen setzen wir auf eine breite internationale Streuung und beziehen dabei bewusst auch die Schwellenländer mit ein.

Denn ein Depot sollte nicht davon abhängig sein, dass eine einzige Region ihre außergewöhnliche Entwicklung der vergangenen Jahre einfach fortsetzt.

Du möchtest wissen, wie dein eigenes Depot geografisch aufgestellt ist und ob du tatsächlich weltweit investierst?

Dann schauen wir uns das gemeinsam an.

Herzliche Grüße

Thorsten Förster & Heidi König

Disclaimer

*Die Angaben beziehen sich auf die Vergangenheit und beruhen auf einer simulierten Wertentwicklung, welcher die tatsächliche Wertentwicklung der derzeit in der Strategie vorhandenen Finanzinstrumente zugrunde liegt. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Beachten Sie: Die Angaben über die bisherige Wertentwicklung stellen keine Prognose für die Zukunft dar. Zukünftige Ergebnisse der Investmentanlage sind insbesondere von den Entwicklungen der Kapitalmärkte abhängig. Die Kurse an der Börse können steigen und fallen. Investmentfonds unterliegen dem Risiko sinkender Anteilspreise, da sich Kursrückgänge der im Fonds enthaltenen Wertpapiere im Anteilspreis widerspiegeln. Bei der Darstellung der Wertentwicklung sind eventuell anfallende Entgelte nicht berücksichtigt. Ihre persönliche Wertentwicklung finden sie in ihrer aktuellen Vermögensübersicht.

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